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Ruben Drole - Bariton/Bass

Presse

Porträt Ruben Drole, Juni 2007

«Vom Kantichor direkt auf die Opernbühne </p> <p>Treffpunkt: Opernhaus Zürich, Künstlereingang. Ruben Drole tritt aus dem Gebäude, er begrüsst strahlend, mit offenem Blick aus dunklen Augen, er hat eine auffallend aufrechte Haltung, einen breiten Oberkörper, und vor allem eine tiefe, warme, klangvolle Stimme. Und los gehts, er führt hinein in das Opernhaus, einige Treppen hinauf, durch gewundene Gänge, vorbei an Türen, Spiegeln, Kleiderständern mit prachtvollen Kostümen, hinein in eine grosse Garderobe. Darin wieder eine Spiegelwand, eine lang gezogene Frisierkommode, Stühle. Er schliesst die Türe, rückt zwei Stühle zurecht, zieht den in der Mitte zur Seite: «Falls noch jemand kommt», sagt er, und lacht so schallend, dass man sich um seine Stimmbänder sorgt. Ruben Drole ist erst 26 Jahre alt und gehört bereits zum Ensemble des Opernhauses Zürich. Seit er als Vogelmensch «Papageno» in Mozarts Zauberflöte brillierte, ist er ein gefeierter Sänger. Gelobt wird nicht nur die ausdrucksstarke Stimme des jungen Bariton, sondern auch sein Temperament und seine aussergewöhnliche Bühnenpräsenz. </p> <p>Eigentlich will Ruben Drole Medizin oder Jura studieren, als er 19 Jahre alt ist. Er ist in Winterthur Wülflingen aufgewachsen, und hier wohnt er auch heute noch, bei seinen Eltern. Die Mutter ist Spanierin, der Vater Slowene und ursprünglich Musiker, heute sitzt er aber in der Portierloge des Winterthurer Sozialamts. </p> <p>Vom Vater erhalten Ruben und sein Bruder die ersten Geigenstunden. In der Kantonsschule Im Lee besucht Ruben den Schülerchor. Der Musiklehrer ermuntert ihn, Gesangsstunden zu nehmen. Ruben steigt nicht darauf ein, aber der Lehrer lässt nicht locker, und irgendwann lässt er sich überzeugen. Dazu hätten auch einige Choraufführungen beigetragen, sagt er. Er habe gedacht: «Singen finde ich noch lustig, jetzt probiere ich es mal mit dieser Gesangsstunde.» An der Musikschule Winterthur singt er den Spiritual «Go Down Moses» vor. Der Gesangslehrer David Thorner sagt: «Sie sind ein Sänger, Sie können zu mir in die Stunde kommen.» Es ist Ruben Droles letztes Schuljahr. Nach einem halben Jahr Gesangsstunden ist «irgendwie klar, dass ich Gesang studieren werde». Und es funktioniert: Nur ein Jahr nach der ersten Gesangsstunde besteht er bereits die Aufnahmeprüfung an die Musikhochschule Winterthur, seither studiert er bei Jane Thorner-Mengedoht. </p> <p>Aber nochmals: Warum war es für ihn so klar, dass Gesang das richtige ist? Jetzt spricht er leiser und blickt ernst. Das Singen sei ihm einfach so leichtgefallen. Er habe gemerkt, dass er seine Musikalität, die er immer in sich gespürt habe, auf der Geige nie habe ausdrücken können. «Mit der Stimme ging es einfach, ich fühlte mich freier und dachte, es ist ja ganz leicht!» Die Geige verstaube trotzdem nicht, er nehme sie noch ab und zu in die Hand. Aber, und jetzt guckt er noch ein wenig ernsthafter: Sie sei sehr, sehr beleidigt. Schallendes Gelächter! </p> <p>Im Jahr 2000 begann Ruben Drole also mit dem Musikstudium. Im dritten Studienjahr hatte er ein Vorsingen für ein Stipendium. Der damalige Leiter des Internationalen Opernstudios sass in der Jury, rief ihn danach begeistert an, und schliesslich stand Drole in einer Aufführung von Mozarts Don Carlo zum ersten Mal auf der Bühne des Zürcher Opernhauses. Seine Rolle war klein, aber er überzeugte. Ob er Lust habe, ins Internationale Opernstudio zu kommen? «Ja klar», habe er gesagt. «Ich muss aber zuerst noch mein Lehrdiplom machen.» 2004 hatte er es in der Tasche. Nun stand das Operndiplom an. Ruben Drole hatte es nach einem Jahr bereits hinter sich, normalerweise dauert es zwei Jahre. Anschliessend sang er Opernintendant Alexander Pereira vor, und seither gehört der Bariton zum festen Ensemble der Oper. </p> <p>Mit 19 Jahren die erste Gesangsstunde und den ersten Opernbesuch, mit 26 Jahren Mitglied des Opernensembles und gefeierter Bariton: eine Blitzkarriere. Wie schafft man das? Er wisse es auch nicht, sagt Ruben Drole. «Es kam einfach so. Ich habe nicht mit 19 auf das Ziel hingearbeitet, dass ich einmal an diesem Haus bin.» Es habe sich alles einfach so ergeben. «Es ist mit viel Glück verbunden, und ich bin jeden Tag dankbar dafür.» </p> <p>Gegenwärtig arbeitet Ruben Drolean seinem Solistendiplom. Der erste Teil ist bereits geschafft. Statt einen Termin der Hochschule zu beanspruchen, lud er die Experten kurzerhand in eine Vorstellung des Zürcher Opernhauses ein. </p> <p>Der junge Sänger hat an der Oper ein dichtes Programm, Freizeit habe er eigentlich keine. Eine Produktion jagt die nächste, praktisch alle Rollen muss er neu erlernen. Gegenwärtig probt er Schumanns «Szenen aus Goethes Faust» und Paisiellos «Il Barbiere di Siviglia». Im November steht sein grosses Rollendebut als Figaro in Mozarts «Le nozze di Figaro» an. Nein, es sei ihm nicht zu viel, aber wenn es einmal zu viel werde für ihn, könne er es sofort mit Pereira besprechen. </p> <p>Eine Traumrolle hat er nicht: «Ich lasse es auf mich zukommen. Wer viele Vorsätze fasst, wird nur enttäuscht», sagt er. Träume hat aber auch er: «Es gibt noch so viele Rollen, die Welt der Oper ist gross, und die Erdkugel ist grösser als Zürich.» </p> <p>So, jetzt muss er aber weiter. Er öffnet die Tür zum Gang hin, weist auf den Lautsprecher. Hier höre er jeweils die Stimme seiner Freundin, Inspizientin und Regieassistentin, wenn sie die Sänger auf die Bühne ruft. «So höre ich sie auch dann, wenn ich sie gar nicht sehe», sagt er und lacht sein herzliches Lachen.»

Katharina Baumann, Der Landbote, 13.06.2007