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Patrick Lange - Dirigent

Presse

Konzert Orchester der Komischen Oper, Philharmonie Berlin, Juni 2012

«Andere hätten vielleicht das ihnen gewidmete Abschiedskonzert mit Haydns denkwürdiger &quot;Abschieds&quot;- Sinfonie begonnen oder beendet. Patrick Lange, der scheidende Chefdirigent der Komischen Oper verlegte sein Adieu in die Philharmonie und trumpfte in ihr gleich doppelt und dreifach auf, wie um darauf hinzuweisen, was Berlin in ihm verliert: einen jungen Dirigenten, vorbildlich im Orchestergraben gereift. Als Schluss-Stück des Abends setzte er sogar Strawinskys herausfordernstes Stück aufs Programm: &quot;Le Sacre du printemps&quot;, das inzwischen hundert Jahre lang ein musikalisches Schreckgespenst der Orchester und Dirigenten wurde. Noch fünfzig Jahre später zog Igor Markevitch, Diaghilews einstiger Liebling, kreuz und quer durch Europa, allen lernbegierigen Orchestern und ihren Chefs beizubringen, wie man &quot;Le Sacre&quot; zu dirigieren habe. Patrick Lange jedenfalls und dem Orchester der Komischen Oper bereitete das kunstreich verteufelte Werk keine Mühe. Sie führten es höchst eindrucksvoll auf. Man begann heimlich, doppelt und dreifach den Verlust Langes zu beklagen. Seine Karriere greift inzwischen bewunderungswürdig in die Internationalität aus. Offenbar besaß das Ausland die feineren Ohren als Berlin. </p> <p>Begonnen hatte Lange sein Programm mit den nur zehnminütigen, aber immerhin sechsteiligen braven &quot;Kontrasten&quot; von Bernd Alois Zimmermann, 1953 als Ballettmusik geschrieben. Das Stückchen schmeichelt sich ein bisschen in die Moderne ein, ohne schon zu versuchen, sie voll auszureizen. Schöner wäre es gewesen, dass Programm mit einer mitreißenden Ouvertüre beginnen zu lassen, an denen schließlich kein Mangel ist. </p> <p>Dafür spielte Renaud Capucon, schon wiederholt gefeierter Gast in Berlin, das bezaubernde Violinkonzert in e-Moll von Mendelssohn Bartholdy, das sich schwärmerisch auszusingen versteht. Auch Isaac Stern, der große Geiger von einst, hätte Capucons Vortrag des Konzerts, vor allem das beseligende Andante, zuhöchst genossen, da Capucon es auf der wundervollen Guarneri del Gesù spielte, auf der auch Stern einst konzertiert hatte.»

Klaus Geitel, Berliner Morgenpost, 02.07.2012

«... Deswegen glaubt der scheidende Chefdirigent Patrick Lange auch nicht, dass er vorläufig ans Haus zurückkehren wird. Wenn große Oper ansteht, dann wird sie sein Nachfolger, der Ungare Henrik Nanasi, lieber selber dirigieren. Möglicherweise ist Lange, der 1981 nahe Nürnberg geboren und bei den Regensburger Domspatzen erwachsen wurde, der - wenn man so will - letzte konservative Dirigent des Hauses. Er weiß, dass &quot;es nicht immer leicht ist, ein Gleichgewicht zwischen Musik und Theater herzustellen: man muss da für die Musik schon kämpfen&quot;. Die Dirigenten werden immer schneller verschlissen am Haus. Homokis Ära begann mit dem Russen Kirill Petrenko, gefolgt vom Amerikaner Carl St. Clair. Letzterer war völlig genervt von den Regieideen, die er am Pult stillschweigend begleiten sollte. Beethovens &quot;Fidelio&quot; zwischen Mülltonnen gab ihm den Rest. Vor Homokis &quot;Meistersinger von Nürnberg&quot;-Inszenierung warf er hin, der junge Kapellmeister Lange rückte nach. Der Premierenerfolg war auch seiner. Über 200 Vorstellungen hat er am Hause dirigiert, &quot;wahnsinnig viel Zeit in der Oper verbracht&quot;. Zuletzt hat er mit Skandalregisseur Calixto Bieito einen splitterfasernackten &quot;Freischütz&quot; gemacht. Eine interessante Arbeit, sagt er lächelnd: &quot;Und lieber nackt als mit hässlichen Kostümen.&quot; Lange hat keine Berührungsängste mit provokantem Regietheater. &quot;Ich bin nicht prüde&quot;, sagt er. Rückblickend spricht er von &quot;zwei tollen Jahren, aber es war der richtige Zeitpunkt aufzuhören&quot;. Um seine Karriere sorgt sich keiner. Lange hat große, seriöse Produktionen in Wien, Zürich, München, Hamburg im Terminkalender zu stehen. ...»

Volker Blech , Beliner Morgenpost, 30.06.2012

«Das Wesentliche vorweggenommen: Patrick Lange hat sich grandios als Generalmusikdirektor verabschiedet. Er hat dabei nicht nur sich selbst noch einmal präsentiert, sondern auch aufgezeigt, in welch gutem Zustand er das Orchester der Komischen Oper Berlin an seinen Nachfolger weitergibt. Ein wenig hat man eine offizielle Verabschiedung, ein paar Worte des Dankes aus diesem Anlass vermisst. Aber das Orchester hat durch seine Leistung demonstriert, wie zufrieden es mit Patrick Lange ist. </p> <p>Selbstbewusstsein und großes Können </p> <p>Patrick Lange hat es sich nicht leicht gemacht. Aber wer ein so sperriges Werk wie die Kontraste von Bernd Alois Zimmermann auswählt und einwandfrei zur Aufführung bringt, verfügt gleichermaßen über Selbstbewusstsein wie über großes Können. Nicht minder beeindruckend war die Umsetzung von Igor Strawinskys Le Sacre du printemps. Dieses ein Jahrhundert alte ehemalige Skandalstück hört man auch heute noch oft auf seine Rhythmik und seine Brutalität reduziert. Patrick Lange weiß es besser. Alles das kommt in seiner Interpretation vor, aber er offenbart mehr. Er inszeniert einen orchestralen Klangrausch, lässt auch sanftere Klänge zu, fährt nicht nur den Ellenbogen aus, zelebriert die Mehrdimensionalität dieser Musik. Das Orchester spielt wie eine gut geölte Maschine, dann aber auch wieder ganz impressionistisch. Es ist ein großer Zauberkasten, eine Interpretation auf höchstem Niveau. </p> <p>... </p> <p>Ausgezeichnete Hinterlassenschaft </p> <p>Patrick Lange kann durchaus mit Stolz auf seine Zeit an der Komischen Oper zurückblicken. Er hat viel geleistet, ist in den letzten Jahren auch sehr gereift. ... Das bedeutete für Patrick Lange ein neues Amt und etliche Herausforderungen: Meistersinger, Rosenkavalier, Freischütz und einiges andere – alles jedoch mit Erfolg. Er hinterlässt das Orchester in ausgezeichnetem Zustand; eine gute Grundlage für seinen Nachfolger Henrik Nánási.»

Andreas Göbel, kulturradio, 30.6.2012, 01.07.2012

«Von den Hampelmännern und Eintänzern unter den Dirigenten seiner Generation unterscheidet sich Patrick Lange wohltuend. Er wackelt nicht mit der Hüfte, um Bewegung in die Musik zu bringen, und er stürzt sich nicht mit Krallen wie ein Lämmergeier von oben auf die Höhepunkte des Klangs. Der 31-Jährige hat seinen Weg weniger über die Konzertpodien als vielmehr durch die Orchestergräben in den Opernhäusern genommen. Da lernt man, für die Musiker zu dirigieren, nicht fürs Publikum, also Spielanweisungen zu geben statt Hörsugges-tionen vorzuturnen. </p> <p>Beim Konzert am Freitag in der Philharmonie, mit dem sich Lange nach zwei Jahren als Chefdirigent vom Orchester der Komischen Oper verabschiedete, begann er &quot;Le sacre du printemps&quot; von Igor Strawinsky nur mit einer langen, waagerechten Linie des Taktstocks. Das hieß: Der Raum ist offen; ab jetzt läuft die Zeit. Die Fagottistin bestimmte selbst, wann sie einsetzte und wie sie ihr Solo gestaltete. Durch kurzes Abknicken des Stocks und Spitzen der Lippen gab Lange den folgenden Bläsern ihre weiteren Einsätze: immer freundlich, immer genau, immer knapp. Und was dann entstand, weidete sich keineswegs nur an der Menschenschlachtung dieses heidnischen Frühlingsopfers, sondern auch an der zarten Verästelung des Tonsatzes, an den Schönheiten einer zögerlich aufblühenden Natur, wenn man so will. </p> <p>Patrick Lange war 2007 an die Komische Oper gekommen und übernahm im Sommer 2010 die Position eines Chefdirigenten, der sich nicht Generalmusikdirektor (GMD) nennen durfte. Die Situation war kompliziert. Nach einer hirnrissigen, sich selbst als Müll verunglimpfenden Inszenierung von Beethovens &quot;Fidelio&quot; überwarf sich der freundliche, scheue und nicht ganz konfliktsichere GMD Carl St. Clair mit dem Regisseur und bekam auch vom Intendanten Andreas Homoki kaum Rückendeckung. Von einem Tag auf den anderen warf er seinen Posten hin. </p> <p>Meister der Spannung </p> <p>In einer solchen Stimmung war es ein Glück, mit dem jungen Lange einen verbindlichen, äußerst metiersicheren, in sich ruhenden Musiker als Chef einsetzen zu können. Er musste in gewisser Weise für eine Lücke büßen, die ab August dann der Ungar Henrik Nanasi erst wieder füllen darf. Doch Lange hat seine Aufgabe mit Fleiß, Sachkenntnis und Liebe zum Theater gelöst. In Barrie Koskys Inszenierung von Dvoraks &quot;Rusalka&quot; hatte das Orchester, klangschön und gütig, jene Hoffnung auf ein anderes, glücklicheres Leben eröffnet, das die Bühne dem fischschwänzigen Mädchen nicht gönnte. In Benedikt von Peters verkrampfter Deutung von Mozarts &quot;Idomeneo&quot; war es Patrick Lange , der mit seinen spannungsvoll-langsamen Tempi, den quälend gedehnten Pausen und harmonischen Trugschlüssen die schlimme Depression des titelgebenden Königs nachfühlbar machte. Und in dem völligen Murks, den Calixto Bieito mit Webers &quot;Freischütz&quot; verzapft hatte, war die Orchesterleistung unter Lange das Einzige, was noch Sinn und Verstand besaß mit seiner umsichtigen Staffelung aus Nah- und Fernklängen, den Kontrasten des Zärtlichen und Rohen. Beim Abschlusskonzert, das mutig mit der Ballettmusik &quot;Kontraste&quot; von Bernd Alois Zimmer-mann begann, zeigte allerdings der Auftritt des vorzüglichen Geigers Renaud Capuçon, in welche Richtung sich Lange noch steigern kann. Capuçon nahm den Solopart in Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert nicht nur mit Grazie, sondern auch mit abenteuerlichem Herzen, mit der fröhlichen Verwegenheit Joseph von Eichendorffs. Von dieser Risikolust könnte sich Lange künftig stärker anstecken lassen, um dann die Fülle all dessen, was er schon kann und weiß, zum Ausgangspunkt zu machen für Erkundungen eines Terrains, von dem er noch keine Karten hat. Mit seinen exzellenten Engagements nach Wien, München und Zürich ist er auf einem guten Weg.»

Jan Brachmann, Beliner Zeitung, 03.07.2012