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Christof Loy - Regisseur

Presse

Theodora, Salzburger Festspiele, Juli 2009, Salzburger Festspiele, Juli 2009

«Keuschheit und sexuelle Enthaltsamkeit Loy begeht in seiner Inszenierung nicht den Fehler, den Mangel an äußerer Handlung durch Aktionismus zu kompensieren; auch optisch bleibt die Produktion bewusst karg. Gespielt wird in schwarzen Anzügen vor einem Einheitsbühnenbild (Annette Kurz), einer in scheinbar unendliche Höhen wachsenden, doch halbverdeckten Riesenorgel. Eine Reihe von blassgelben Stühlen, mit denen ausgiebig hantiert wird, bildet das zentrale szenische Element, das an eine konzertante Aufführung denken lässt. Vor diesem Rahmen treten die Solisten in gut brechtscher Manier in ihre Rollen, nur Theodora, eindringlich verkörpert von Christine Schäfer, macht keinen Unterschied zwischen Sein und Darstellung – sie ist in fast autistischer Weise stets ganz bei sich selbst. Dass Loy ihr diese Identität zugesteht, hat einen Grund: Er verhandelt an ihrem Beispiel das zeitlose Thema von Keuschheit und sexueller Enthaltsamkeit.»

Christian Wildhagen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2009

«Getriebene einer Begierde Loy inszeniert den Übergang, das keusche Sichverströmen. Theodora und Didymus sind Getriebene einer Begierde, die nicht nur die Kleider, sondern auch das Fleisch abwerfen möchte. Uns Eiligen von heute erscheint dieser Abschied wie ein schier unendlicher Vorgang, die sorgsame Vorbereitung eines Weltraumausflugs. Es ist ein Abend nahezu ohne Zerstreuung. Loy will verstehen, in Karl Kraus’ Sinne aktualisierend, wie Frühere gelebt und geglaubt haben. Er zeigt die Not und Last solchen Glaubens. Man ahnt, welch unerbittliche Arbeit ein Leben "in Gott" bedeutet hat. Die Stimmen leisten das Wesentliche dieser Arbeit: Es ist fast, als solle Gott im Gesang erst erschaffen werden. Als die Liebenden tot sind, wendet sich der Chor still zur Orgel hin, ganz so, als seien die beiden darin verschwunden oder "aufgegangen". Loy scheint zu sagen: Was an Spiritualität noch zwischen uns ist, der Rest, den Theodora und Didymus hinterlassen haben, findet sich hier, in der Musik.»

Peter Kümmel, Die Zeit, 30.07.2009

«Delikate Ausleuchtung der Charaktere Regisseur Christof Loy hat es dabei auch geschafft, die heiklen Dimensionen des Festspielhauses zu instrumentalisieren. Statt den Raum zu verkleinern, kostet er dessen opulente Ausmaße aus, um die Verlorenheit einzelner Individuen zu zeigen und die Nähe oder Distanziertheit innerhalb derer Beziehungen transparent werden zu lassen. Die kahle Bühne hat in ihrer Mitte zwar eine riesige Kirchenorgel (Bühnenbild: Annette Kurz). Der Rest der Requisiten jedoch besteht nur aus Stühlen, auf denen der Chor nie zur starren Erweiterung der Publikumsmenge wird. Loy ist hier eine Menscheninstallation gelungen, die frei von verzierendem und effekthascherischem Opernaktionismus Wert auf delikate Ausleuchtung der Charaktere legt. Einen dermaßen bewussten Umgang mit Figuren würde man den meisten Operninszenierungen wünschen. Und: Nebenbei hat Loy sogar das Motto dieser Festspiele ("Das Spiel der Mächtigen") mit Sinn erfüllt.»

Ljubiša Tošic, Der Standard, 27.07.2009