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Christof Loy - Regisseur

Presse

Simon Boccanegra, Oper Frankfurt, Mai/Juni 2007

«Als grandios darf man das Resultat von Verdis Simon Boccanegra in Frankfurt bezeichnen. Christof Loy gelingt in mutig-radikaler Reduktion eindringlich, aus der verworrenen Geschichte die wesentlichen menschlichen Inhalte zu skelettieren...»

Damian Kern, www.der-neue-merker.at, 22.06.2007

«Christof Loy hatte sein Publikum gewarnt. Wer seine Inszenierung der zu keiner Zeit populären Verdi-Oper Simon Boccanegra besuchen wolle, solle sich vorab mit der Handlung und ihren Wirrnissen gut vertraut machen, so hatte der Regisseur im Vorfeld seiner neuen Produktion an der Oper Frankfurt gesprochen. Aber ist's nicht genau Aufgabe eines Regisseurs, den Opernführer entbehrlich zu machen? Bei Loy keine Frage. Er, einer der fähigsten Charaktermodellierer des Musiktheaters und gerade in Frankfurt mit enorm gelungenen Arbeiten regelmäßig präsent, hat diese Oper Giuseppe Verdis jedenfalls radikal entkleidet. Gemeinsam mit seinem Team aus Bettina Walter (Kostüme) und Johannes Leiacker (Bühne) fegte er alles Äußerliche hinweg. Dem Dogen Simon Boccanegra ließ er nur kurz einen roten Mantel der Macht, doch darüber hinaus geben sich die Figuren in diesem dunklen Spiel nicht durch äußeren Schein in ihrer Position zu Erkennen. Alle sind sie schwarz und, wie meist bei Loy, zeitlos gekleidet, sie halten sich an einem harten, oft neonhellen Unort auf. Schön will diese Bühne nicht sein, nicht atmosphärisch, das rein Funktionale bestimmt das Einheitsbild. Für Loy also spielt es keine Rolle, ob der eine nun Korsar ist, der andere Edelmann, ob ein Höfling oder ein Armbrustschützenhauptmann vor ihm steht. Er hat vielmehr in dieser weitgehend ungeliebten, weil nirgends Hit-verdächtigen Verdi-Oper etwas anderes entdeckt: Die Passionsgeschichte. Loy las aus dem Libretto der zweiten, 1881 und damit 25 Jahre nach der ersten uraufgeführten Fassung von Simon Boccanegra eine religionsphilosophische Komponente heraus, die, einmal im Hinterkopf, sich in der Tat zu bestätigen scheint.»

Stefan Schickhaus, Frankfurter Rundschau, 22.05.2007

«(...) Auch bei den Sängern beschränkt sich Loy klug auf wenige, aber dafür überzeugende, eindringliche Gesten und Konstellationen. Das wirkt mitunter ein wenig statuarisch, doch zumeist gelingt ihm das Kunststück, den Figuren trotz allem eine hohe innere Spannung zu verleihen. So liegt immer eine bedrohliche Ruhe über der Szene, in der dann subtilere Details ihre Wirkung überhaupt erst entfalten können. Wenn, beispielsweise, im dritten Akt die Rebellen gegen den Dogen Boccanegra zum Tode verurteilt werden, schickt Loy die Kolonne der Männer mit bloßem Oberkörper ins Dunkel des Bühnenhintergrunds hinab, und lässt so etwas ahnen von dem Schrecken einer Massenhinrichtung, bei der eben noch lebendige Körper wie auf dem Fließband in kaltes Fleisch verwandelt werden. An den Anfang dieser Oper, die keine Ouvertüre hat, haben Loy und der Dirigent Paolo Carignani zudem John Cages wohl bekanntestes Stück 4'33'' gestellt: Eine gut viereinhalb Minuten andauernde Generalpause sämtlicher Instrumente, so dass alle hörbaren Laute nicht von den Musikern, sondern vom Publikum stammen. Dazu hat Loy den Chor, der in Verdis Oper Volkes Stimme singt, bewegungslos auf die Bühne gestellt, den Blick starr auf die Zuschauer gerichtet, die ihrerseits untätig zurückzustarren gezwungen sind. Lange, bedrückende viereinhalb Minuten, die man wohl als Identifikationsvorschlag zwischen Publikum und einem Opernvolk verstehen darf, das bei Verdi allerdings eine recht launenhafte, dümmliche Rolle spielt.»

Uwe Wittstock, Die Welt, 22.05.2007

«(...) Wo keine Kulissen sind, gibt es auch kein Geschehen hinter den Kulissen, vor aller Augen ereignet sich hier das Drama, selbst der Moment, da der frisch gekürte Doge seine Geliebte, um derentwillen er das Amt übernommen hat, tot im Palast ihres Vaters Fiesco findet. Das Private wird öffentlich, die Öffentlichkeit – Patrizier, Plebejer, das wankelmütige Volk – greift zerstörerisch ins Private ein. Wie dann die Tote als Amelia / Maria aufersteht, die gemeinsame Tochter, die der Vater Jahre später wiederfindet, das gehört mit zur Kreislauf-Bewegung von Loys Inszenierung.»

Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2007

«Loy, derzeit viel beschäftigt, ist sicher einer der innovativsten Szeniker im heutigen Musiktheater. Er spürt in den Geschichten, die er inszenieren will, lesend mancherlei Bezüge und Querverbindungen, zweite oder noch tiefere Ebenen auf. In "Simon Boccanegra" entdeckte er über Verdis politische Intentionen hinaus eine Passionsgeschichte: Ausgespannt zwischen politischen Machtkämpfen und individuellen Schicksalsschlägen, erfährt Simon seinen eigenen Leidensweg, der sich für ihn am Ende ins Glück wendet, weil er immerhin noch bestimmen kann, wer ihm auf dem Herrscherstuhl nachfolgen soll: das Paar Gabriele Adorno und Maria Boccanegra, der einstige Widersacher und die eigene, wiedergefundene Tochter. Da fallen dann Worte wie Dogenkrone und Dornen des Martyriums, die eine Nähe zur Passionsgeschichte assoziieren lassen. Und die Gestalt des Fiesco, des Vaters von Boccanegras gestorbener Geliebter Maria, entpuppt sich als eine Gottvater-Figur, während der zwischen den Parteien jonglierende Plebejer Paolo die Züge eines Judas annimmt.»

Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2007

«Loy situiert das Spiel auf der nackten Bühne. Jede Andeutung von Ort und Zeit ist vermieden, der etwas erhöhte und nach hinten leicht ansteigende Holzboden leergefegt und nur an den Seiten durch Metallgerüste begrenzt, die dem Ganzen einen beklemmend nüchternen Zug verleihen. Durch diesen konsequenten Verzicht auf jede Illusion bekommt Verdis Drama um Schuld und Sühne eine quälende Körperlichkeit, die uns die Figuren wie unterm Röntgenblick fast hautnah rückt. … Jede Geste, jeder Schritt, jede Bewegung vermittelt in ihrer konzentrierten Genauigkeit etwas von den zerreissenden Spannungen der zwischenmenschlichen Beziehungen. Es spricht für den Regisseur wie für die schauspielerische Präsenz der Darsteller, dass sich Vieles davon unmittelbar erschliesst. Und manches – so der nach seiner Selbstverfluchung im Räderwerk der eigenen Intrigen gefangene Paolo, für Loy die Judasfigur in der vom ihm als Passionsgeschichte gelesenen Stück – bleibt unvergesslich.»

Uwe Schweikert, Opernwelt Juli 2007, 01.07.2007