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Christof Loy - Regisseur

Presse

Frau ohne Schatten, Salzburger Festspiele, Juli 2011

«Einer, der sich an solchen Prämissen reibt, ist der Regisseur Christof Loy. Verständlich also, dass er für seine Inszenierung der «Frau ohne Schatten» bei den Salzburger Festspielen auf Mittel und Wege der Distanzierung sann. Er fand sie darin, dass sich die Oper nicht an den von Hofmannsthal vorgegebenen Schauplätzen ereignet, sondern in einem barocken Ballsaal: in einem Interieur im Stil der Wiener Sophiensäle, das Johannes Leiacker in liebevoller Detailarbeit nachgebaut hat. Und gespielt wird nicht «Die Frau ohne Schatten», sondern vielmehr eine mehrtägige Aufnahmesitzung, die der gleichnamigen Oper gilt. Loy hat sich da durch den Dirigenten Karl Böhm inspirieren lassen, der die Oper 1955 gleich wieder ins Programm der Wiener Staatsoper eingefügt und sie dann unter den widrigen Umständen der Nachkriegszeit auch aufgenommen hat. </p> <p>So gibt es weder ein Färberhaus noch einen Kahn noch goldenes Wasser, es ist davon bloss die Rede. Die Darsteller sind in die Alltagsmode der fünfziger Jahre gekleidet, wie sie Ursula Renzenbrink hat schneidern lassen. Geführt wird das Geschehen von einem smarten Assistenten mit dem Klavierauszug in der Hand und überwacht durch einen ebenso soignierten wie strengen Aufnahmeleiter. Am Rand agieren Damen, die Kaffee und Aschenbecher bereithalten, und ein Portier, der glatt dem Team um Christoph Marthaler und Anna Viebrock entstammen könnte. Äusserst umsichtig sind die Situationen gezeichnet, und mit einem Anflug von Amusement beobachtet man die scharf gezeichneten Physiognomien und verfolgt man, wie sich Gesungenes und Gespieltes immer stärker durchdringen. Am Ende glaubt man gar, die beiden, die im Studio den Färber Barak und seine Frau singen, seien tatsächlich ein Paar. </p> <p>Mag sein, dass dieser ausgesprochen anregende Ansatz ohne Rezept des Regisseurs nicht zu kapieren ist. Der Gewinn ist jedoch offenkundig: Das Spiessige des Stücks verliert an Penetranz, und zugleich tritt heraus, wie komplex die einzelnen Figuren und ihre Beziehungen untereinander gezeichnet sind, vom Text wie von der Musik her. Dabei bleiben der stämmige Kaiser von Stephen Gould und der warme Barak von Wolfgang Koch eher im Hintergrund. Bestimmt wird der Abend von den drei Frauen, was auch damit zusammenhängen mag, dass das Werk ohne Kürzung gespielt wird. Grossartig, mit welcher Schärfe Michaela Schuster die intrigante Veranlagung der Amme herausarbeitet, und buchstäblich umwerfend die dramatische Energie, mit der die extravagante Evelyn Herlitzius die Frau des Färbers auflädt.»

Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2011