Theresa Kronthaler - Mezzosoprano
Press
Liederabend in Zürich, Tonhalle Zürich, Februar 2010
««Luft von anderem Planeten» fühlte Arnold Schönberg, als er gegen Ende der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts den sicheren Grund der Tonalität verliess und zu neuen Ufern aufbrach. Sein zweites Streichquartett mit dem entsprechenden George-Zitat im Finale markiert den entscheidenden Schritt auf diesem Weg. </p> <p>Stationen einer Liebe </p> <p>Von Stefan George stammt auch die Textvorlage für Schönbergs in derselben Zeit komponiertes «Buch der hängenden Gärten». Die fünfzehn Gedichte beschreiben die verschiedenen Stationen einer Liebe vom aufkeimenden Begehren bis zur Trennung in überhöhten Worten, die Arnold Schönberg zu intensiver Gestaltung in ästhetischem Neuland animierten. </p> <p>Die Mezzosopranistin Theresa Kronthaler machte in ihrem Rezital im Kleinen Saal der Zürcher Tonhalle aber auch hörbar, wie sich in diesem selten aufgeführten Liederzyklus spätromantische Emphase und Anklänge an den Sprechgesang des späteren «Pierrot lunaire» begegnen, während Edward Rushton am Klavier die Gesten prägnant formulierte und subtil variierte. </p> <p>Glitzernder Wasserfall </p> <p>Mit einem formidablen französischen Gegengewicht zu diesem ganz in der deutsch-österreichischen Tradition stehenden Zyklus hatte der Abend begonnen. Theresa Kronthalers resonanzreicher Mezzosopran, der sich in der französischen Sprache ideal entfalten konnte, verlieh Hector Berlioz' «Les nuits d'été» eine Vielzahl an Stimmungen und Farben von der fahlen Klage über schmeichelndes Werben bis zum hymnischen Jubel. </p> <p>Beinahe idealtypisch war der Gegensatz zwischen den Sprachtraditionen in Hugo Wolfs «Mignon» und «L'invitation au voyage» von Henri Duparc zu erleben. Während der Klavierpart von Duparcs Baudelaire-Vertonung unter Rushtons Händen wie der Sprühregen eines Wasserfalles glitzerte und die gleichermassen verführerisch tändelnde wie weit ausschwingende Stimme in ein nuanciertes Farbenspiel tauchte, liess die opernerprobte Sängerin Wolfs Goethe-Vertonung in ihrer ganzen dramatisch-expressiven Wucht erklingen. Zwei Zugaben, eine deutsch, die andere französisch, rundeten dieses attraktive Programm ab.»
Jürg Huber, Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2010
