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Johannes Martin Kränzle - Bariton/Bass

Presse

Liederabend Frankfurt, Oper Frankfurt, Februar 2014

«Am Ende der Träume Kränzles „Winterreise“ </p> <p>Vom ersten Satz an weiß der Wanderer in Schuberts „Winterreise“, dass er am Ende ist, am Ende mit allen Träumen, wie er gegen Ende seiner Wanderung konstatiert, eines Weges in 24 meist dunkel überschatteten Etappen. Johannes Martin Kränzle findet dafür in der Oper Frankfurt von Anfang an den rechten Ton, in herber Entschiedenheit, ohne Larmoyanz, aber reich an Farben für die wenigen Lichtblicke. Bewundernswert ist es, welche dynamische Spannweite er seinem sonoren Bariton abgewinnt. Nie sprengen die bewusst plazierten Fortissimi („des ganzen Winters Eis“) den Liedrahmen, ekstatisch endet der „Rückblick“. Mit leisen Phrasen wächst die Spannung bis zum Verlöschen des „Leiermanns“. </p> <p>Moll-Tonarten beherrschen Schuberts Zyklus, nur eine Handvoll Lieder stehen in Dur. Selten hat man den Wechsel, gekoppelt an die Spannung zwischen Verzweiflung und trügerischer Hoffnung, plastischer erlebt. Schon zu Beginn erhält der „Mondenschatten als Gefährte“ einen hellen Schein. Immer wieder flammen Hoffnungsfunken auf, in der „Post“, in der Erinnerung: „Wie anders hast du mich empfangen“, Dur-Inseln, für die Kränzle helle Töne findet. Dur kann aber auch bedrohlich klingen: in den Bass-Trillern von „Im Dorfe“ zum Beispiel. Dass Kränzle und sein Pianist Hilko Dumno seit langem wohlvertraute Partner sind, war spürbar. Beschränkte sich schon der Sänger auf sparsamste Gesten (die Ausnahme: geöffnete Hände bei „habe ja doch nichts begangen“), so verzichtete auch Dumno auf jeden theatralischen oder koloristischen Effekt. Aus dem Nichts kommend, findet er im Auftaktlied „Gute Nacht“ rasch den Tritt, der den Wanderer auf die Reise schickt, immer wieder beglückt er die Zuhörer mit zauberhaften Klang-, vor allem Pianissimo-Wirkungen, nicht nur am Schluss des Zyklus. Wesentlich trägt er zu der atemlosen Spannung bei, die gegen Ende des Abends noch zunimmt und sich dem Publikum mitteilt. </p> <p>Eigentlich ist nach diesem Zyklus keine Zugabe möglich, wie Kränzle zu Recht verkündet, aber die beiden entlassen ihr dankbares Publikum erst nach dem „Wanderer“, der immerhin in der Nähe der „Winterreise“ bleibt.»

Gerhard Schroth, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2014

«Stimmen sind vokalisierte Gesten, sind in ästhetische Ordnung gebrachte Szenarien ohne Bühne und Bild. Sänger, denen bewusst ist, dass ihr Gesang immer eine Szene macht – denen gelingt es, aus zwei banalen Terzsprüngen, wie sie Franz Schubert am Ende des Liedes „Rückblick“ aus der „Winterreise“ benutzt, das zu machen, was der Text über die rastlose, unglückliche Liebe des Wanderers an sein erträumtes Ende bringt: „Vor ihrem Hause stille steh`n“. </p> <p>„Stille steh´n“ wie das in Ausdruck und Gestus im Liederabend der Oper Frankfurt aus dem Mund von Johannes Martin Kränzle kam: Es war eines der zahllosen Momente, die den Vortrag des gesamten Liederzyklus., den Schubert 1827 auf Gedichte von Wilhelm Müller komponierte, zu einem ungemein starken Erlebnis machten. Stimme zugleich als wohlklingender Vortrag und als Ad-hoc- Schöpfung dessen, was in der Komposition geronnen oder gefroren vorhanden ist: Singen als ein Auftauen und damit überhaupt erst schmackhaft werdender Verzehr von Ausdruck. Nicht aufgesetzt wie eine klingende Grimasse, sondern ganz aus dem Duktus des Tonverlaufs entsprungen. </p> <p>Das hatte viel mit der instrumentalen Begleitung zu tun, die Hilko Dumno verantwortete. Ein Zugriff auf die Komposition, der die vielen illustrativen, bildgebenden Funktionen in der Musik zugleich als ausdrucksauflösende Klangprofile verstand. Alles, was dem vergeblich Sehnenden, Hoffenden, Liebenden in seiner ruhelosen Wanderwelt und Naturbetrachtung widerfährt und Klang wird, ist zugleich als Resonanz seiner eigenen Verfassung gegenwärtig. Und die Stimme Kränzles nimmt bei „stille steh`n“ solches auf, um es zu einer entspannenden und gesichert scheinenden Ankunft in erhoffter Beruhigung zu finalisieren. </p> <p>Kränzle, der seit 1998 im Ensemble der Frankfurter Oper eines ihrer Glanzstücke ist, das sich demnächst auch an der New Yorker Met als Beckmesser in Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ präsentieren wird, bringt ein starkes baritonales Gewicht auf die Waage, das aber schön obertonreich und höchst beweglich ist, wunderbar in den Tiefen ausgebaut ist und die zarten Höhen mit einem perfekten Kopf-Register realisiert. Ein sängerischer Idealfall für einen Schubert, der die Abgründe der zerklüfteten Seelenlandschaften vor Georg Büchner und den Expressionisten längst abgewandert hat.»

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau, 06.02.2014

«Gesungenes Psychogramm / Beeindruckende Winterreise </p> <p>Vorab: die Herausforderung die die Schuberts Zyklus aus 24 „schaurigen Liedern“ für jeden Ausführenden darstellt, wurde in Freinsheim auf beeindruckende Weise bestanden. Kränzle und Dumno beschworen Schuberts bestürzendes Lamento aus tief verletzter Seele überaus eindringlich und facettenreich. </p> <p>Mit Nachdruck gingen beide Künstler auf die Feinheiten des differenziert auskomponierten tönenden Psychogramms ein. So profilierte sich Kränzle mit klarer, prägnanter Diktion als ausgezeichneter Erzähler in Ton und Wort, entwarf das abgrundtief traurige Portrait eines Menschen, der der Welt abhanden kam. In düsteren Stimmungsbildern vollzog er die Stationen einer Depression nach, die Leidensgeschichte eines tief Verzweifelten, den eine Liebesenttäuschung in trostloseste Einsamkeit trieb und der sich auf die grauenvolle Wanderung durch öde, kalte winterliche Landschaften trieb. </p> <p>In differenzierten, klagenden und resignierten Tönen sang er von Todesahnungen und -sehnsüchten, vermittelte er die Stimmungsbilder dieser Reise, deren einziges Ziel der Tod sein kann. Kränzles interpretatorischer Ansatz wirkte ausgesprochen dramatisch. Sein vor allem in tieferen Lagen sehr kerniger, klanggewaltiger Bariton entfaltete imponierende Tonpracht und Ausdruckskraft, wartete stellenweise mit ausgesprochen herrischen Akzenten auf. Andererseits verfügte der Sänger über eine Vielzahl sensibel eingesetzter Zwischentöne. Sein Stilgefühl und seine vokale Kultur, um ganz zu schweigen von seiner gestalterischen Präsenz, standen außer Frage.... </p> <p>Hilko Dumno erwies sich als erstklassiger Kammermusiker. Seine Anschlagskünste, die Feinheiten seiner Phrasierung und Artikulation und seine beredte Linienführung wirkten schlicht beglückend.»

Gabor Halasz, Die Rheinpfalz, 06.02.2014