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News

10.03.2009

Ruben Drole: Liederabend in Zürich

Als wär's die Bühne

Liederabend mit Ruben Drole

Dass seine Welt die Bretter der Opernbühne sind, konnte man schon bald erkennen. Der Bariton singt nicht einfach nur wunderbar, sondern er rollt dabei die Augen, zeichnet das Gesungene mit seiner Mimik nach und möchte sich dazu am liebsten wie eine Bühnenfigur bewegen. Denn Ruben Drole ist mit Leib und Seele Opernsänger. Seit 2005 zählt er zum Ensemble des Opernhauses und hat hier u. a. schon die Mozart-Rollen Papageno, Guglielmo und Figaro gesungen. In seinem Liederabend in der Kirche St. Peter zeigte sich Drole von einer ungewohnten Seite: Begleitet vom Pianisten Jens Fuhr, interpretierte er wenig bekannte Gesänge französischer und zeitgenössischer schweizerischer Komponisten. Mit diesem Abend wagten sich die Swiss Chamber Concerts zum ersten Mal in ihrer zehnjährigen Geschichte in den Bereich des Liedrezitals.
In die doppelbödige Welt der Fabeln, die von Tieren handeln und die Menschen meinen, entführte Georges Bizets Lied «La coccinelle» nach einem Gedicht von Victor Hugo. Theatralisch gestaltete Drole den missglückten Versuch eines Sechzehnjährigen, ein Marienkäferchen zu küssen. Einen ganzen Zoo vom Dromedar bis zum Karpfen führt «Le Bestiaire ou Cortège d'Orphée» von Francis Poulenc vor. Hatte der Bariton zuvor dick aufgetragen, so zeigte er in den sechs Miniaturen auch delikate Tonfälle und einen Sinn für Humor. Den Höhepunkt in dieser Reihe boten die «Histoires naturelles» von Maurice Ravel. Ausgezeichnet schaffte der Sänger hier die Gratwanderung zwischen Ernst und Ironie, wie sie etwa in der Geschichte vom Pfau gefordert ist, der vergeblich auf seine Verlobte wartet.
Rollenkunst war auch bei den Vertonungen der Schweizer Komponisten gefragt: Ein Lachen, das eigentlich ein Weinen ist, stellen Philippe Racines «Drei Lieder» nach Gedichten von Robert Walser dar. Eindringliche Gesten und rezitativische Gestaltungsgabe erfordern Peter Wettsteins «Vier Gesänge» nach Texten von Hans Magnus Enzensberger, in denen es um metaphysische Fragen geht. Und bei Daniel Fueters «Sechzehn Aspersüss» nach Heine-Texten muss die Poesie der Darstellung immer wieder der Desillusionierung weichen. Aber man musste bis zur Zugabe warten, um das wahre Bühnentalent dieses Sängers erleben zu können. Im Song «If I Were a Rich Man» aus dem Musical «Fiddler on the Roof» blühte er förmlich auf und riss das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

Thomas Schacher, Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2009